Stosswellentherapie: Wann sie sinnvoll ist

Therapeutin im schwarzen Kineo-Shirt behandelt mit einem Stosswellengerät die Rückseite des Oberschenkels oberhalb der Kniekehle einer liegenden Patientin
Inhaltsverzeichnis

Von Martino Crivelli, Physiotherapeut und Mitgründer von Kineo, Kineo Escher Wyss

Wenn die Sehne einfach nicht ruhig wird

Der Schmerz an der Ferse, an der Achillessehne oder unter der Kniescheibe begleitet dich seit Monaten. Du hast pausiert, gedehnt, vielleicht schon Einlagen ausprobiert, und trotzdem meldet er sich bei jedem Lauf wieder. Irgendwann fällt das Stichwort Stosswellentherapie.

Stosswellen können bei bestimmten hartnäckigen Sehnenbeschwerden eine gute Ergänzung sein. Sie sind aber kein Wundermittel und ersetzen kein Training. Hier erfährst du, wie die Methode funktioniert, bei welchen Beschwerden sie gut untersucht ist und wann sie nicht passt.

Was ist Stosswellentherapie?

Bei der Stosswellentherapie, kurz ESWT, werden energiereiche Schallimpulse über einen Applikator durch die Haut in das Gewebe geleitet. Man unterscheidet zwei Formen:

  • Fokussierte Stosswelle: Die Energie bündelt sich in einem Punkt in der Tiefe. Sie wird zum Beispiel bei Kalkablagerungen in der Schulter eingesetzt.
  • Radiale Stosswelle: Die Energie breitet sich von der Oberfläche fächerförmig aus. Sie eignet sich für oberflächennahe Sehnenansätze und Muskulatur.

Wie Stosswellen genau wirken, ist nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden eine veränderte Schmerzverarbeitung, eine bessere Durchblutung und ein Anstoss für den Umbau des Sehnengewebes. Bei Kalkschultern kann die Stosswelle helfen, das Kalkdepot aufzulösen.

Therapeutin im schwarzen Kineo-Shirt behandelt mit einem Stosswellengerät die Rückseite des Oberschenkels oberhalb der Kniekehle einer liegenden Patientin
Die Stosswelle wird über einen Applikator direkt auf die schmerzhafte Stelle gesetzt.

Bei welchen Beschwerden Stosswellen sinnvoll sein können

Stosswellen sind vor allem bei chronischen Beschwerden ein Thema, also wenn Schmerzen trotz guter Behandlung länger als etwa drei Monate anhalten. Am besten untersucht sind:

  • Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Hier ist die fokussierte Stosswelle gut belegt.
  • Plantarfasziitis und Fersensporn: Schmerzen unter der Ferse, vor allem bei den ersten Schritten am Morgen
  • Achillessehnenschmerzen: besonders in der Mitte der Sehne und am Ansatz
  • Patellaspitzensyndrom: Schmerz unterhalb der Kniescheibe bei Sprungsportarten
  • Schmerzen an der Hüftaussenseite (Trochanterschmerz) durch gereizte Sehnen der Gesässmuskulatur
  • Tennisarm: Hier sind die Ergebnisse gemischt. Krafttraining steht im Vordergrund.

Bei frischen Verletzungen wie Zerrungen, Bänderrissen oder akuten Entzündungen ist die Stosswelle in der Regel nicht das Mittel der Wahl.

Stosswelle plus Training: warum beides zusammengehört

Eine Sehne wird belastbar, wenn sie dosiert und regelmässig belastet wird. Die Stosswelle kann Schmerzen lindern und so ein Fenster öffnen, in dem das Training besser gelingt. Die eigentliche Anpassung der Sehne entsteht aber durch Kraftübungen.

Typische Übungen bei Sehnenbeschwerden:

  • Isometrisches Halten: zum Beispiel Wadenheben, oben halten, 5 x 30–45 Sekunden. Kann Schmerzen kurzfristig lindern.
  • Langsames Krafttraining: 3 x 8–15 Wiederholungen mit 3 Sekunden hoch und 3 Sekunden runter, zum Beispiel Wadenheben an der Treppe oder Spanish Squat bei Kniesehnenbeschwerden.
  • Schnellere Belastungen: Hüpfen, Sprünge und Laufen, wenn Kraft und Schmerz es zulassen.

Schmerz während der Übungen ist meist in Ordnung, wenn er auf einer Skala von 0 bis 10 nicht über 3–4 steigt und am nächsten Morgen nicht stärker ist als vorher.

Wann keine Stosswellentherapie

  • Schwangerschaft
  • Gerinnungsstörungen oder blutverdünnende Medikamente, je nach Präparat und Situation
  • Tumore, Infektionen oder offene Wunden im Behandlungsgebiet
  • Wachstumsfugen bei Kindern und Jugendlichen im Behandlungsgebiet
  • Kortisonspritze an der gleichen Stelle in den letzten Wochen
  • Über Lunge, grossen Nerven und Gefässen sowie bei Herzschrittmachern je nach Lage

Warnzeichen: Nächtliche Schmerzen ohne Bezug zur Belastung, Fieber, unerklärter Gewichtsverlust, starke Schwellung oder Rötung gehören vor jeder Behandlung ärztlich abgeklärt.

So behandeln wir mit Stosswellen bei Kineo

Ob eine Stosswellentherapie für dich sinnvoll ist, entscheiden wir nach einer gründlichen Untersuchung. Sie ist bei uns immer Teil eines Gesamtplans.

1. Befund: Das untersuchen wir im ersten Termin

  • Schmerzort und Verlauf: Seit wann, bei welcher Belastung, wie reagiert die Sehne am Folgetag?
  • Abtasten des Sehnenverlaufs und des Ansatzes
  • Belastungstests: zum Beispiel einbeiniges Wadenheben bis zur Ermüdung, einbeinige Kniebeuge auf dem Schrägbrett oder Einbeinstand auf der betroffenen Seite
  • Funktionstests wie Hüpfen auf der Stelle, um die Belastbarkeit einzuschätzen
  • Ausschluss von Gegenanzeigen und, wenn nötig, Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, etwa bei vorhandenen Bildern einer Kalkschulter

2. Behandlung in Phasen

  • Woche 1–2: Belastung anpassen. Schmerzauslösende Belastungen reduzieren, nicht komplett pausieren. Start mit isometrischen Übungen.
  • Woche 2–6: Stosswelle und Kraft. Meist 3–5 Stosswellen-Sitzungen im Abstand von etwa einer Woche, parallel ein Krafttraining 3 x pro Woche.
  • Woche 6–12: Belastbarkeit steigern. Schwerere Kraftübungen, dann Sprünge und Laufen in Stufen.
  • Kontrolle: Wir wiederholen die Belastungstests. Wenn sich nach mehreren Sitzungen nichts verändert, überdenken wir den Plan.

3. Diese Kineo-Leistungen setzen wir gezielt ein

Wie sich eine Behandlung anfühlt

Eine Sitzung dauert nur wenige Minuten. Die Impulse fühlen sich wie ein schnelles, kräftiges Klopfen an und können an der schmerzhaften Stelle unangenehm sein. Die Intensität passen wir an, damit sie gut auszuhalten ist. Nach der Behandlung ist die Stelle manchmal für ein bis zwei Tage etwas empfindlicher, selten mit kleinen Blutergüssen. In den ersten Tagen nach einer Sitzung solltest du sehr intensive Belastungen der behandelten Sehne vermeiden. Lockeres Training ist meist möglich.

Die Wirkung zeigt sich selten sofort. Oft bessern sich die Beschwerden über Wochen, auch nach der letzten Sitzung noch.

Patient trainiert am Beinstrecker, eine Therapeutin im schwarzen Kineo-Shirt steht daneben
Das Krafttraining nach der Stosswelle macht die Sehne langfristig belastbar.

Aus unserer Praxis

Viele kommen mit der Hoffnung, dass ein paar Sitzungen Stosswelle die Sehnenbeschwerden lösen, während sie sonst nichts verändern. Die besten Verläufe sehen wir, wenn die Stosswelle die Schmerzen so weit senkt, dass ein konsequentes Krafttraining möglich wird. Wer beides kombiniert und dranbleibt, ist meist nachhaltiger beschwerdefrei.

Stosswellentherapie bei Kineo Escher Wyss

Bei Kineo Escher Wyss an der Hardturmstrasse 18 am Escher-Wyss-Platz haben wir die Stosswelle vor Ort und eine betreute Trainingsfläche im gleichen Haus. So folgt das Krafttraining direkt auf die Behandlung. Wer beim Laufen Beschwerden hat, kann zusätzlich eine Laufanalyse im Kineo Runners Lab im Seefeld machen.

Häufige Fragen

Tut Stosswellentherapie weh?

Sie kann an der schmerzhaften Stelle unangenehm sein. Wir passen die Intensität an, damit sie gut auszuhalten ist.

Wie viele Sitzungen brauche ich?

Meist 3–5 Sitzungen im Abstand von etwa einer Woche. Die genaue Anzahl hängt von deinen Beschwerden und dem Verlauf ab.

Kann ich nach der Behandlung trainieren?

Lockeres Training ja. Sehr intensive Belastungen der behandelten Sehne verschiebst du besser um ein bis zwei Tage.

Wie lange dauert ein Termin?

Ein Termin dauert 30 Minuten. Im ersten Termin klären wir die Ursache deiner Beschwerden und starten direkt mit Behandlung und Übungen.

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