Von Diego Rojas, Physiotherapeut bei Kineo Seefeld
Brennen im Vorfuss, als läge ein Stein im Schuh
Es beginnt oft harmlos: Beim Laufen oder in engen Schuhen fühlt es sich an, als hätte sich die Socke unter den Zehen zusammengefaltet. Später kommt ein Brennen oder ein elektrisierender Schmerz dazu, der in zwei Zehen ausstrahlt. Schuh aus, Fuss massieren, und es wird besser. Bis zum nächsten Mal.
Hinter diesem Muster steckt häufig ein Morton-Neurom. Die gute Nachricht: In vielen Fällen lassen sich die Beschwerden mit passenden Schuhen, Entlastung und gezielter Physiotherapie deutlich lindern.
Was ist ein Morton-Neurom?
Zwischen den Mittelfussköpfchen verlaufen feine Nerven zu den Zehen. Wird einer dieser Nerven immer wieder gedrückt und gereizt, verdickt sich das Gewebe um ihn herum. Das nennt man Morton-Neurom. Trotz des Namens ist es kein Tumor, sondern eine gutartige Verdickung durch Reizung.
Am häufigsten liegt das Neurom zwischen der 3. und 4. Zehe, seltener zwischen der 2. und 3. Zehe. Frauen sind häufiger betroffen, vermutlich auch wegen engerer Schuhe und höherer Absätze.
Typische Beschwerden
- Brennender, stechender oder elektrisierender Schmerz im Vorfuss, der in zwei benachbarte Zehen ausstrahlt
- Taubheit oder Kribbeln zwischen diesen Zehen
- Gefühl eines Steins oder einer Falte in der Socke
- Besserung, wenn du den Schuh ausziehst und den Vorfuss massierst
- Zunahme in engen Schuhen, mit Absätzen, beim schnellen Laufen oder bergauf
Ursachen und Risikofaktoren
- Enge Zehenbox: Die Mittelfussköpfchen werden zusammengedrückt und klemmen den Nerv ein.
- Absätze: Sie verlagern das Gewicht auf den Vorfuss.
- Viel Vorfussbelastung: Schnelles Laufen, Sprints, Tanzen oder Sportarten auf dem Vorfuss.
- Fussform: Ein Spreizfuss oder ein Hallux valgus (Schiefstand der Grosszehe) erhöhen den Druck im Vorfuss.
- Zu straffe Schnürung im vorderen Bereich des Schuhs.

Was es sonst sein kann
Nicht jeder Vorfussschmerz ist ein Morton-Neurom. Diese Diagnosen grenzen wir ab:
- Metatarsalgie: Überlastung der Mittelfussköpfchen. Der Druckschmerz liegt direkt unter dem Köpfchen, nicht dazwischen.
- Stressfraktur eines Mittelfussknochens: Punktueller Knochenschmerz auf dem Fussrücken, oft mit Schwellung, nach einer Steigerung im Training.
- Verletzung der Plantarplatte: Eine Überlastung der Gelenkkapsel unter dem Grundgelenk, meist der 2. Zehe. Die Zehe kann sich mit der Zeit verschieben.
- Nervenreizung aus dem Rücken oder ein Engpass des Nervs am Innenknöchel (Tarsaltunnelsyndrom)
- Polyneuropathie: Taubheit an beiden Füssen, oft sockenförmig, ohne klaren Druckpunkt
Ärztlich abklären lassen solltest du Taubheit an beiden Füssen, die sich ausbreitet, Kraftverlust in Fuss oder Zehen, Ruhe- und Nachtschmerz, Rötung mit Überwärmung oder Fieber sowie Wunden am Fuss bei Diabetes. Bei unklarer Diagnose kann ein Ultraschall oder MRI das Neurom sichtbar machen.
Was du selbst tun kannst
- Platz für die Zehen: Schuhe mit breiter Zehenbox, in denen du die Zehen spreizen kannst
- Schnürung anpassen: Die untersten Ösen auslassen oder locker schnüren, den Halt über den Rist holen
- Absätze reduzieren, vor allem im Alltag
- Pelotte: Ein kleines Polster direkt hinter den Mittelfussköpfchen kann sie leicht auseinanderspreizen und den Nerv entlasten. Die genaue Lage ist entscheidend, lass sie anpassen.
- Belastung steuern: Tempo und Hügel vorübergehend reduzieren, Velo oder Schwimmen als Alternative
So behandeln wir ein Morton-Neurom bei Kineo
Zuerst sichern wir die Diagnose ab und finden heraus, was den Nerv reizt. Dann entlasten wir gezielt und bauen die Belastung wieder auf.
1. Befund: Das untersuchen wir im ersten Termin
- Abtasten: Liegt der Druckschmerz zwischen den Köpfchen oder direkt darunter?
- Mulder-Test: Wir drücken den Mittelfuss seitlich zusammen und von unten in den Zwischenraum. Ein Klicken mit typischem Schmerz spricht für ein Neurom.
- Sensibilität: Gefühl an den Zehen im Seitenvergleich
- Zehengrundgelenke: Stabilität im Schubladentest, um eine Plantarplatten-Verletzung abzugrenzen
- Nervenbahn: Bei Verdacht prüfen wir Rücken und Bein, zum Beispiel mit dem Slump-Test
- Schuhe und Laufstil: Schuhcheck, Schnürung und Abrollverhalten
2. Behandlung in Phasen
- Phase 1: Entlasten (Woche 1–2). Schuhe, Schnürung und Pelotte anpassen, reizende Belastungen reduzieren, Ausdauer mit Alternativtraining halten.
- Phase 2: Mobilisieren und kräftigen (Woche 2–6). Mobilisation der Mittelfussknochen, Fussmuskeltraining wie der «Short Foot» (Fussgewölbe aktiv verkürzen), 3 x 10 x 5 Sekunden, dazu Zehenspreizen und Wadenkraft, 3 x 12–15.
- Phase 3: Laufen aufbauen (ab Woche 4–8). Flach und locker mit Lauf-Geh-Intervallen beginnen, Tempo und Hügel zuletzt.
- Bleibt der Erfolg aus: Wenn sich nach mehreren Wochen konsequenter Behandlung wenig verändert, besprechen wir mit deiner Ärztin oder deinem Arzt weitere Optionen wie eine Infiltration. Eine Operation ist selten nötig.
3. Diese Kineo-Leistungen setzen wir gezielt ein
- Runners Physio, wenn das Neurom dich beim Laufen ausbremst
- Manuelle Therapie zur Mobilisation von Mittelfuss und Zehengrundgelenken
- Neurodynamik, um die Beweglichkeit des Nervs entlang des Beins zu prüfen und zu verbessern
- Currex 5D Laufanalyse für Abrollverhalten und Schuhwahl
Der richtige Schuh beim Morton-Neurom
Beim Schuhkauf achtest du auf eine Zehenbox, die nicht drückt, auch nicht nach einer Stunde Laufen, wenn die Füsse etwas anschwellen. Eine nach vorne gebogene Sohle (Rocker) kann den Vorfuss entlasten, weil die Zehengrundgelenke weniger stark abknicken müssen. Sehr weiche, schmale Wettkampfschuhe sind dagegen oft ungünstig. Probiere Schuhe am Nachmittag an und lauf ein paar Schritte, statt nur zu stehen.

Aus unserer Praxis
Viele Betroffene haben schon mehrere Einlagen ausprobiert, laufen aber weiter in Schuhen, die vorne zu schmal sind oder sehr fest geschnürt werden. Oft bringt es mehr, dem Vorfuss zuerst Platz zu verschaffen, als eine weitere Einlage zu kaufen. Wenn Schuh, Schnürung und Belastung stimmen, beruhigt sich der Nerv häufig deutlich.
Fussbeschwerden abklären bei Kineo Seefeld
Bei Kineo Seefeld an der Seefeldstrasse 83 (Haltestelle Feldeggstrasse, Tram 2 und 4) ist das Laufen ein Schwerpunkt. Im Erdgeschoss findest du das Kineo Runners Lab mit Laufschuhen und Currex 5D Laufanalyse, im 1. Stock die Physiotherapie mit Runners Physio. So schauen wir Fuss, Schuh und Laufstil am gleichen Ort an.
Häufige Fragen
Geht ein Morton-Neurom wieder weg?
Die Verdickung bleibt oft bestehen, die Beschwerden können aber deutlich abnehmen oder ganz verschwinden, wenn der Druck auf den Nerv sinkt.
Darf ich weiter laufen?
Meist ja, angepasst. Kürzere, flache und lockere Läufe in passenden Schuhen sind oft möglich. Tempo und Hügel reduzierst du vorübergehend.
Muss ein Morton-Neurom operiert werden?
Selten. Zuerst kommen Schuhe, Entlastung und Physiotherapie. Erst wenn das nicht reicht, besprichst du ärztlich weitere Schritte.
Übernimmt die Krankenkasse die Physiotherapie?
Ja. Mit einer ärztlichen Verordnung übernimmt die Grundversicherung deiner Krankenkasse die Kosten. Kineo ist bei allen Krankenkassen anerkannt.
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