Von Lucrecia Guerra, Physiotherapeutin bei Kineo Escher Wyss
Wenn die Leiste beim Sport schmerzt
Leistenschmerzen gehören zu den hartnäckigsten Beschwerden im Sport. Besonders betroffen sind Fussball, Eishockey, Unihockey, Tennis und Läufer:innen mit vielen Tempowechseln. Der Schmerz beginnt oft schleichend und wird ignoriert, bis Sprints oder Schüsse kaum mehr gehen.
Häufige Ursachen
- Adduktoren-bedingter Leistenschmerz: Die häufigste Form. Die Muskeln an der Innenseite des Oberschenkels sind am Schambein überlastet.
- Iliopsoas-bedingter Leistenschmerz: Der Hüftbeuger ist gereizt, typisch bei viel Sprinten und Schiessen.
- Leistenkanal-bedingter Schmerz, früher «weiche Leiste» genannt
- Schambein-bedingter Schmerz durch Belastung der Schambeinfuge
- Hüftgelenk: Probleme im Gelenk selbst können sich ebenfalls als Leistenschmerz zeigen
Oft spielen mehrere Strukturen zusammen. Eine genaue Untersuchung ist deshalb wichtig.

Typische Symptome
- Schmerz in der Leiste oder an der Innenseite des Oberschenkels
- Verstärkt bei Sprints, Schüssen, Richtungswechseln oder Aufsitzen
- Steifigkeit am Morgen oder nach dem Training
So behandeln wir Leistenschmerzen
Leistenschmerz ist ein Sammelbegriff. Für die Behandlung ordnen wir die Beschwerden einer Struktur zu, nach der international verwendeten Doha-Einteilung: Adduktoren, Hüftbeuger, Leistenkanal, Schambein oder Hüftgelenk.
1. Befund: Das untersuchen wir im ersten Termin
- Squeeze-Test: Du drückst die Knie gegen unsere Faust zusammen. Wir prüfen, ob das schmerzt und wie viel Kraft du entwickelst. Er ist der wichtigste Verlaufswert.
- Abtasten: Ansatz der Adduktoren am Schambein, Hüftbeuger, Leistenkanal und Schambeinfuge
- Hüftbeuger gegen Widerstand und Dehnung im Thomas-Test
- Hüftgelenk: Beugung mit Innenrotation (FADIR-Test) und Innenrotation im Seitenvergleich. Schmerzt das Gelenk selbst, braucht es teilweise eine ärztliche Abklärung.
- Leistenkanal: Schmerz bei Husten oder Pressen kann auf eine beginnende Leistenhernie hinweisen. Das klären wir ärztlich ab.
2. Behandlung in Phasen
- Phase 1: Belastung steuern. Sprints, Schüsse und schnelle Richtungswechsel reduzieren, Training aber weiterführen. Isometrisch den Ball zwischen den Knien drücken, 5 x 30 Sekunden.
- Phase 2: Kraft aufbauen. Copenhagen-Übungen in Stufen, dazu Hüftbeuger, Gesäss und seitlicher Rumpf, zwei- bis dreimal pro Woche.
- Phase 3: Sportspezifisch. Laufen mit Richtungswechsel, Sprintsteigerungen, dann Passen und Schiessen mit zunehmender Distanz.
- Freigabe: Squeeze-Test schmerzfrei und kräftig, Sprint und Schuss ohne Schmerz, keine Reaktion am Folgetag.
3. Diese Kineo-Leistungen setzen wir gezielt ein
- Sportphysiotherapie: Zuordnung der Ursache, Belastungsplan und Freigabe
- Manuelle Therapie für Hüftgelenk, Becken und Lendenwirbelsäule
- Triggerpunkt-Behandlung und Dry Needling an Adduktoren und Hüftbeuger
- Sportartspezifisches Training mit Sprints, Richtungswechseln und Schuss
- Schnellkrafttraining für die Rückkehr ins volle Tempo
Krafttraining der Adduktoren gilt auch als eine der wirksamsten Massnahmen, um Leistenschmerzen vorzubeugen.
Copenhagen-Übung in drei Stufen
- Einstieg: Seitstütz auf dem Unterarm, das obere Knie liegt auf einer Bank, das untere Bein hängt frei. 3 x 15 Sekunden halten.
- Aufbau: Gleiche Position, aber den Fuss statt des Knies auf die Bank legen. 3 x 20 Sekunden.
- Fortgeschritten: Fuss auf der Bank, das untere Bein langsam zur Bank heben und senken. 3 x 6 bis 10 Wiederholungen.
Zwei bis drei Mal pro Woche, leichte Beschwerden während der Übung sind in Ordnung.
Hüfte, Rumpf und Leiste hängen zusammen
Die Leiste ist eine Kreuzung: Hier treffen Adduktoren, Bauchmuskulatur und Hüftbeuger aufeinander. Ist einer dieser Bereiche schwach oder unbeweglich, müssen die anderen mehr leisten. Im Athletiktraining achten wir deshalb auf drei Dinge:
- Hüftbeweglichkeit: Eine eingeschränkte Innenrotation der Hüfte erhöht den Stress auf die Leiste, besonders bei Schuss und Richtungswechsel
- Rumpfstabilität gegen Rotation: Übungen wie der Pallof Press, bei dem du einem seitlichen Zug widerstehst, entlasten die Leiste bei Schuss- und Drehbewegungen
- Abbremsen trainieren: Viele Leistenprobleme entstehen beim Stoppen und Seitwärtsbewegen, nicht beim Beschleunigen. Seitliche Ausfallschritte und kontrollierte Stopps gehören deshalb ins Programm
Im Gruppen- und Personal Training bei Kineo HYROX sind solche Bewegungen fester Bestandteil. Wer nach der Behandlung dort weitertrainiert, baut die Belastbarkeit der Leiste weiter auf.

Aus unserer Praxis
Viele Fussballer:innen spielen wochenlang mit Leistenschmerzen weiter und dehnen viel, weil sich die Muskeln verspannt anfühlen. Dabei fehlt meistens Kraft, nicht Beweglichkeit. Sobald die Adduktoren gezielt gekräftigt werden, bessern sich die Beschwerden oft schon nach wenigen Wochen.
Krafttraining gleich nach der Behandlung
Bei Kineo Escher Wyss an der Hardturmstrasse 18 ist die betreute Trainingsfläche Teil der Therapie. Adduktoren-, Hüft- und Sprintübungen machst du unter Anleitung vor Ort, statt sie nur auf einem Blatt mit nach Hause zu nehmen. Gerade bei hartnäckigen Leistenschmerzen macht das den Unterschied.
Häufige Fragen
Ist Leistenschmerz ein Leistenbruch?
Meist nicht. Bei Sportler:innen sind Adduktoren und Hüftbeuger viel häufiger die Ursache. Eine sichtbare oder tastbare Vorwölbung sollte aber ärztlich abgeklärt werden.
Muss ich mit dem Fussball pausieren?
Selten ganz. Meist reduzieren wir Sprints und Schüsse vorübergehend und bauen sie gezielt wieder auf.
Was ist eine Copenhagen-Übung?
Ein Seitstütz, bei dem das obere Bein auf einer Bank liegt. Sie kräftigt die Adduktoren sehr gezielt und schützt vor Leistenschmerzen.
Übernimmt die Krankenkasse die Physiotherapie?
Ja. Mit einer ärztlichen Verordnung übernimmt die Grundversicherung deiner Krankenkasse die Kosten. Kineo ist bei allen Krankenkassen anerkannt.
Das könnte dich auch interessieren
Termin buchen
Die Leiste bremst dich im Training? Buche deinen Termin bei Kineo Escher Wyss.



