Zahnspange und Kieferorthopädie: Wie Physiotherapie unterstützt

Physiotherapeut im schwarzen Kineo-Shirt legt die Hände an Kopf und Kiefergelenkregion einer Patientin in Rückenlage
Inhaltsverzeichnis

Von Joëlle Ramseier, Physiotherapeutin bei Kineo Seefeld

Zahnspange im Mund, Spannung im Kiefer

Eine Zahnspange oder durchsichtige Schienen (Aligner) bewegen Zähne langsam an ihren neuen Platz. Das ist gewollt und meist gut verträglich. Trotzdem merken manche Menschen während der Behandlung, dass der Kiefer schmerzt, knackt, schneller ermüdet oder dass sie mehr pressen als früher. Auch Nacken- und Kopfschmerzen können dazukommen.

Kieferorthopädie und Physiotherapie verfolgen dabei ein gemeinsames Ziel: Zähne, Kiefergelenk und Muskeln sollen am Ende gut zusammenspielen. Die Kieferorthopädin oder der Kieferorthopäde kümmert sich um die Zahnstellung. Wir kümmern uns um Gelenke, Muskeln und Bewegungsmuster.

Wann Physiotherapie während der Kieferorthopädie sinnvoll ist

  • Kieferschmerzen oder Knacken während der Behandlung, die nicht nach wenigen Tagen wieder verschwinden
  • Pressen auf den Schienen: Viele Erwachsene mit Alignern beissen unbewusst auf die Schienen, besonders bei Konzentration oder Stress. Das kann die Kaumuskeln überlasten.
  • Eingeschränkte Mundöffnung oder ein Kiefer, der beim Öffnen zur Seite ausweicht
  • Bestehende CMD: Wer schon vor der Behandlung Kieferbeschwerden hatte, profitiert von einer Begleitung, damit sich diese nicht verstärken.
  • Vor und nach einer Kieferoperation: Bei grösseren Fehlstellungen wird die Kieferorthopädie manchmal mit einer Umstellungsoperation kombiniert. Danach braucht es oft gezielte Übungen für Mundöffnung und Kaufunktion.
  • Nacken- und Kopfschmerzen, die während der Behandlung neu auftreten oder zunehmen

Was ist normal, was nicht?

Ein Druckgefühl an den Zähnen in den ersten Tagen nach dem Einsetzen oder Nachstellen der Spange oder nach einem Schienenwechsel ist normal. Es entsteht, weil die Zähne bewegt werden. Dieses Gefühl betrifft vor allem die Zähne, nicht das Kiefergelenk.

Sprich mit deiner Kieferorthopädin oder deinem Kieferorthopäden, wenn:

  • Schmerzen am Kiefergelenk vor dem Ohr länger als eine bis zwei Wochen anhalten
  • der Mund plötzlich nicht mehr richtig aufgeht
  • ein bisher stilles Kiefergelenk deutlich zu knacken beginnt
  • sich der Biss plötzlich ungewohnt anfühlt
  • Bracket, Draht oder Schiene scheuern, drücken oder beschädigt sind
Physiotherapeut im schwarzen Kineo-Shirt legt die Hände an Kopf und Kiefergelenkregion einer Patientin in Rückenlage
Während der kieferorthopädischen Behandlung prüfen wir, wie Kiefergelenk und Kaumuskeln mitspielen.

Zunge, Atmung und Schlucken

Für ein stabiles Ergebnis spielt nicht nur die Spange eine Rolle, sondern auch, was Zunge, Lippen und Atmung jeden Tag tun.

  • Zungenruhelage: In Ruhe liegt die Zunge idealerweise am Gaumen, die Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen. Liegt sie dauerhaft unten oder drückt gegen die Zähne, kann das die Zahnstellung beeinflussen.
  • Nasenatmung: Wer viel durch den Mund atmet, hat oft eine tiefe Zungenlage und offene Lippen. Dauerhafte Mundatmung sollte ärztlich abgeklärt werden, etwa wegen einer behinderten Nasenatmung.
  • Schluckmuster: Beim Schlucken drückt die Zunge idealerweise gegen den Gaumen, nicht gegen die Zähne.

Für das Training von Zunge, Lippen und Schlucken ist die myofunktionelle Therapie zuständig, die meist in der Logopädie angeboten wird. Wir ergänzen sie mit der Arbeit an Kiefergelenk, Kaumuskeln und Nacken.

Was du selbst tun kannst

  • Zähne auseinander: Ausser beim Kauen und Schlucken berühren sich die Zähne kaum. Mit Alignern gilt: Schienen tragen, aber nicht darauf beissen.
  • Erinnerungen setzen: Ein kleiner Punkt am Bildschirm erinnert dich daran, Kiefer und Zunge zu lockern.
  • Kontrollierte Öffnung: Zunge am Gaumen, Mund langsam öffnen und schliessen, ohne dass der Kiefer zur Seite wandert. 2 x 10 Wiederholungen täglich vor dem Spiegel.
  • Wärme: Bei müden Kaumuskeln 10–15 Minuten Wärme auf Wange und Schläfe.
  • Kauen anpassen: In den Tagen nach dem Nachstellen weichere Kost und kleine Bissen, auf beiden Seiten kauen.

So begleiten wir dich während der Kieferorthopädie bei Kineo

Wir arbeiten ergänzend zu deiner kieferorthopädischen Behandlung. Die Planung der Zahnbewegung bleibt bei deiner Kieferorthopädin oder deinem Kieferorthopäden.

1. Befund: Das untersuchen wir im ersten Termin

  • Mundöffnung und Öffnungsweg: Messung in Millimetern und Beobachtung, ob der Unterkiefer gerade öffnet
  • Kiefergelenk: Geräusche wie Knacken oder Reiben, Druckempfindlichkeit und Beweglichkeit bei Seitwärts- und Vorschubbewegungen
  • Kaumuskeln: Abtasten von Masseter und Temporalis auf Überlastung und ausstrahlende Schmerzen
  • Zungenruhelage und Atmung: Wo liegt die Zunge in Ruhe, wie atmest du, sind die Lippen geschlossen?
  • Nacken und Haltung: Beweglichkeit der oberen Halswirbelsäule und Kraft der tiefen Nackenbeuger
  • Gewohnheiten: Pressen, Knirschen, Nägelkauen oder Kaugummikauen

2. Behandlung in Phasen

  • Phase 1, Woche 1–2: Beruhigen. Weichteiltechniken an den Kaumuskeln, sanfte Gelenkmobilisation, Ruheposition und Alltagstipps
  • Phase 2, Woche 3–6: Kontrolle aufbauen. Koordinationsübungen für eine gerade Mundöffnung, Übungen für die tiefen Nackenbeuger, 2 x 10 Wiederholungen täglich
  • Phase 3: Begleiten bei Bedarf. Während der restlichen kieferorthopädischen Behandlung kontrollieren wir in grösseren Abständen und passen die Übungen an.
  • Nach einer Kieferoperation: Wir starten nach Freigabe durch die Kieferchirurgie mit sanften Bewegungsübungen, bauen die Mundöffnung schrittweise auf und behandeln bei Bedarf die Schwellung.

3. Diese Kineo-Leistungen setzen wir gezielt ein

Kinder und Jugendliche

Die meisten kieferorthopädischen Behandlungen finden im Kindes- und Jugendalter statt. Kieferbeschwerden sind in diesem Alter seltener, kommen aber vor, besonders bei Jugendlichen, die viel pressen oder unter Stress stehen. Bei Kindern stehen oft Zungenlage, Mundatmung und Schlucken im Vordergrund. Hier ist die Zusammenarbeit von Kieferorthopädie, Logopädie und bei Bedarf Physiotherapie hilfreich.

Wartebereich bei Kineo Seefeld mit Holzbank, Kissen und Pflanzen am Fenster
Unsere Praxis in Seefeld begleitet dich ergänzend zu deiner kieferorthopädischen Behandlung.

Aus unserer Praxis

Häufig sehen wir Erwachsene, die mit Alignern behandelt werden und plötzlich morgens einen müden, schmerzenden Kiefer haben. Im Gespräch zeigt sich oft, dass sie tagsüber unbewusst auf den Schienen kauen oder pressen. Sobald sie das bemerken und ein paar einfache Übungen machen, entspannt sich der Kiefer in vielen Fällen spürbar.

Kieferphysiotherapie bei Kineo Seefeld

Bei Kineo Seefeld an der Seefeldstrasse 83, Haltestelle Feldeggstrasse mit Tram 2 und 4, ist der Kiefer einer unserer Schwerpunkte. Wir arbeiten nach dem CRAFTA-Konzept und betrachten Kiefer, Kopf und Nacken gemeinsam. Mehr Informationen findest du auf der Standortseite Seefeld.

Häufige Fragen

Kann eine Zahnspange Kieferschmerzen auslösen?

Druck an den Zähnen nach dem Nachstellen ist normal. Anhaltende Schmerzen am Kiefergelenk oder in den Kaumuskeln sind seltener, kommen aber vor, zum Beispiel durch Pressen. Dann lohnt sich eine Abklärung.

Brauche ich eine Verordnung für Physiotherapie am Kiefer?

Mit einer ärztlichen Verordnung übernimmt die Grundversicherung deiner Krankenkasse die Kosten. Kineo ist bei allen Krankenkassen anerkannt.

Stimmt ihr euch mit der Kieferorthopädie ab?

Ja, wenn du einverstanden bist. Die Planung der Zahnbewegung bleibt bei deiner Kieferorthopädin oder deinem Kieferorthopäden. Wir ergänzen mit der Behandlung von Gelenk und Muskeln.

Wie lange dauert ein Termin?

Ein Termin dauert 30 Minuten. Im ersten Termin klären wir die Ursache und starten direkt mit Behandlung und Übungen.

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