Zähneknirschen (Bruxismus): Ursachen und Physiotherapie

Physiotherapeutin behandelt die Kaumuskulatur einer liegenden Patientin
Inhaltsverzeichnis

Von Noah Stierli, Physiotherapeut bei Kineo Seefeld

Wenn der Kiefer nachts arbeitet

Du wachst mit verspanntem Kiefer auf, hast Kopfschmerzen an den Schläfen, oder deine Zahnärztin hat abgeriebene Zähne bemerkt? Dann steckt oft Bruxismus dahinter, also Zähneknirschen oder Kieferpressen. Viele merken es selbst gar nicht, weil es im Schlaf oder unbewusst tagsüber passiert.

Zwei Formen

  • Schlafbruxismus: Knirschen oder Pressen während der Nacht, oft vom Partner bemerkt
  • Wachbruxismus: Unbewusstes Zusammenbeissen tagsüber, etwa bei Konzentration, am Bildschirm oder unter Stress
Physiotherapeut behandelt die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk einer Patientin
Die Kaumuskeln behandeln wir von aussen und, wenn nötig, auch von innen am Kiefer.

Häufige Ursachen und Auslöser

  • Stress und hohe Anspannung
  • Schlafstörungen
  • Kopf- und Nackenhaltung, etwa lange Büroarbeit
  • Veränderungen am Biss
  • Koffein, Alkohol und Nikotin können verstärken

Typische Folgen

  • Verspannte, druckempfindliche Kaumuskulatur
  • Schmerzen im Kiefergelenk, Knacken oder eingeschränkte Mundöffnung
  • Kopfschmerzen an Schläfen und Stirn, besonders am Morgen
  • Nacken- und Schulterverspannungen
  • Abrieb und Empfindlichkeit an den Zähnen

Was du selbst tun kannst

  • Ruhelage üben: Lippen geschlossen, Zähne leicht auseinander, Zunge locker am Gaumen
  • Erinnerungen setzen: Ein Punkt auf dem Bildschirm erinnert dich, den Kiefer zu lösen
  • Pausen und Entspannung im Alltag einplanen
  • Haltung am Arbeitsplatz prüfen

Schiene und Physiotherapie ergänzen sich

Eine Aufbissschiene von der Zahnärztin oder vom Zahnarzt schützt die Zähne. Die verspannte Muskulatur und die Ursachen behandelt sie aber nicht. Hier setzt die Physiotherapie an. Wir arbeiten nach dem CRAFTA-Konzept, einem Fachkonzept für Kiefer, Kopf und Gesicht.

1. Befund: Das untersuchen wir im ersten Termin

  • Mundöffnung messen: Wir messen die Öffnung zwischen den Schneidekanten in Millimetern. Normal sind etwa 40 bis 50 mm. Weniger deutet auf eine Blockade im Gelenk oder auf verspannte Kaumuskeln hin.
  • Öffnungsweg beobachten: Weicht der Unterkiefer beim Öffnen zur Seite aus und kehrt zur Mitte zurück, oder bleibt er seitlich stehen? Das Muster zeigt, ob eher die Gelenkscheibe oder die Muskulatur beteiligt ist.
  • Geräusche zuordnen: Knackt es beim Öffnen und beim Schliessen an unterschiedlichen Stellen, spricht das für eine verschobene Gelenkscheibe, die wieder zurückspringt. Reiben deutet eher auf Veränderungen der Gelenkflächen hin.
  • Kaumuskeln abtasten: Masseter, Temporalis und, von innen, der seitliche Flügelmuskel. Wir prüfen, welche Punkte deinen bekannten Schmerz auslösen.
  • Halswirbelsäule testen: Mit dem Flexions-Rotations-Test prüfen wir die Beweglichkeit der oberen Halswirbel, mit dem kraniozervikalen Flexionstest die Ausdauer der tiefen Nackenbeuger.
  • Gewohnheiten erfragen: Pressen tagsüber, Knirschen in der Nacht, Schlaf, Stress und Kopfschmerzmuster gehören zum Befund.
  • Spuren an den Zähnen und im Mund: Abriebflächen, Zahnabdrücke am Zungenrand oder eine weisse Linie an der Wangeninnenseite sind typische Zeichen für Pressen.

2. Behandlung in Phasen

  • Phase 1: Bewusst machen. Die meisten pressen tagsüber, ohne es zu merken. Mit kleinen Erinnerungen im Alltag, zum Beispiel einem Punkt am Bildschirm, prüfst du regelmässig: Zähne auseinander, Zunge am Gaumen, Schultern locker.
  • Phase 2: Muskulatur entlasten. Wir behandeln Masseter, Temporalis und Nacken manuell, mit Triggerpunkt-Techniken oder Dry Needling. Du bekommst eine Selbstmassage für den Masseter.
  • Phase 3: Kontrolle und Entspannung trainieren. Wir üben eine geführte Kieferbewegung und Atemübungen, die den Spannungszustand senken. Dazu kommt Training für Nacken und Haltung.
  • Phase 4: Alltag und Sport. Pressen beim Krafttraining und bei Stress erkennen und durch eine bewusste Atmung ersetzen.

3. Diese Kineo-Leistungen setzen wir gezielt ein

Schiene, Physiotherapie und, wo nötig, Stressbewältigung wirken zusammen am besten. Die Schiene stimmen wir mit deiner Zahnärztin oder deinem Zahnarzt ab.

Eine einfache Übung für zwischendurch

Lege die Zungenspitze hinter die oberen Schneidezähne an den Gaumen. Öffne den Mund langsam, so weit es ohne Ausweichen des Kiefers geht, und schliesse ihn wieder. 10 Wiederholungen, mehrmals täglich. Die Übung fördert eine ruhige, gerade Öffnungsbewegung und entspannt die Kaumuskulatur.

Woran merkst du, dass du knirschst oder presst?

  • Verspannte oder müde Kaumuskeln am Morgen
  • Abgeflachte oder empfindliche Zähne, oft von der Zahnärztin bemerkt
  • Abdrücke der Zähne am Zungenrand oder eine weisse Linie an der Wangeninnenseite
  • Dein Partner oder deine Partnerin hört nachts Knirschen
  • Du ertappst dich tagsüber dabei, die Zähne aufeinanderzubeissen

Kieferpressen beim Sport

Viele pressen die Zähne nicht nur nachts, sondern auch beim Training zusammen: beim schweren Heben, bei Wall Balls oder auf den letzten Metern eines Laufs. Das passiert reflexartig, weil der Körper unter Anstrengung Spannung aufbaut. Wer ohnehin zu Kieferbeschwerden neigt, belastet die Kaumuskulatur so zusätzlich.

  • Ausatmen bei Anstrengung: Bei der schweren Phase einer Übung bewusst ausatmen, statt die Luft anzuhalten und zuzubeissen
  • Lockerer Kiefer als Technikhinweis: Unsere Coaches im HYROX-Training achten bei hoher Belastung auch auf ein entspanntes Gesicht. Das spart Kraft und schont den Kiefer
  • Zwischen den Sätzen kontrollieren: Kurz prüfen, ob die Zähne aufeinanderliegen, und den Kiefer bewusst lösen

Atmung als Werkzeug gegen Anspannung

Eine langsame Atmung mit verlängerter Ausatmung senkt die Grundspannung im Körper, auch in Kiefer und Nacken. In den Yoga- und Pilateskursen bei Kineo Fitness ist das fester Bestandteil. Für den Alltag reicht eine einfache Übung: Durch die Nase einatmen, dabei bis vier zählen, durch den leicht geöffneten Mund ausatmen und bis sechs zählen. Zwei bis drei Minuten, am besten vor dem Schlafengehen.

Dry Needling an der Nackenmuskulatur
Dry Needling löst hartnäckig verspannte Muskeln, etwa im Nacken oder am Masseter.

Aus unserer Praxis

Den häufigsten Fehler sehen wir immer wieder: Viele warten zu lange, oft Monate, bis sie mit Kieferbeschwerden zu uns kommen. Dann sind Kaumuskeln und Nacken längst mitbetroffen. Wer früh kommt, ist meist deutlich schneller beschwerdefrei.

Kiefer-Schwerpunkt in Seefeld

In unserer Praxis Kineo Seefeld an der Seefeldstrasse 83 ist die CMD-Kiefertherapie ein Schwerpunkt. Wir schauen Kaumuskulatur, Kiefergelenk, Nacken und Haltung zusammen an und stimmen uns bei Bedarf mit deiner Zahnärztin oder deinem Zahnarzt ab, etwa wenn du eine Schiene trägst. Haltestelle Feldeggstrasse, Tram 2 und 4.

Auch an anderen Standorten: Seefeld ist unser Kiefer-Schwerpunkt. Spezialisierte Physiotherapeut:innen für Kiefertherapie findest du aber auch in Wipkingen, am Stauffacher, in Escher Wyss, in Thalwil und in Zollikon. So bekommst du die Behandlung auch in deiner Nähe.

Häufige Fragen

Hilft eine Schiene allein?

Sie schützt die Zähne, löst aber die Verspannung der Muskulatur meist nicht. Schiene und Physiotherapie ergänzen sich gut.

Wie viele Behandlungen brauche ich?

Viele spüren nach drei bis sechs Sitzungen eine deutliche Besserung, kombiniert mit Übungen für zuhause.

Brauche ich eine Verordnung?

Für die Abrechnung über die Krankenkasse brauchst du eine ärztliche Verordnung. Frag deine Hausärztin oder deinen Hausarzt.

Wie lange dauert ein Termin?

Ein Physiotherapie-Termin bei Kineo dauert 30 Minuten. Im ersten Termin klären wir die Ursache und starten direkt mit Behandlung und ersten Übungen.

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