Guillain-Barré-Syndrom: Symptome, Ursachen und Rehabilitation
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene, aber ernsthafte neurologische Erkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen peripheren Nerven angreift.
Dabei kommt es zu einer Entzündung der Nerven, wodurch die schützende Myelinschicht der Nervenfasern beschädigt wird. Dadurch werden Nervensignale schlechter weitergeleitet – was zu Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen führen kann.
GBS kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt jedoch häufiger bei Erwachsenen auf. Weltweit erkranken etwa 1–2 von 100.000 Menschen pro Jahr an dieser Autoimmunerkrankung.
Für viele Betroffene ist besonders belastend, wie plötzlich die Erkrankung auftreten kann. Innerhalb weniger Tage können sich Symptome deutlich verstärken.
Diese Situation kann Angst und Unsicherheit auslösen. Wichtig ist jedoch:
Mit frühzeitiger medizinischer Behandlung und gezielter Rehabilitation haben viele Betroffene gute Chancen auf eine deutliche oder vollständige Erholung.
Ursachen des Guillain-Barré-Syndroms
Die genaue Ursache des Guillain-Barré-Syndroms ist noch nicht vollständig geklärt. In den meisten Fällen tritt die Erkrankung nach einer Infektion auf.
Fachleute gehen davon aus, dass das Immunsystem bei der Bekämpfung von Krankheitserregern versehentlich körpereigene Nervenstrukturen angreift. Dieses Phänomen wird als molekulare Mimikry bezeichnet.
Häufige Auslöser können sein:
- Infektionen der Atemwege
- Magen-Darm-Infektionen, insbesondere mit Campylobacter jejuni
- Virale Infektionen, z. B. Epstein-Barr-Virus oder Influenza
- selten Operationen oder andere körperliche Belastungen
Wichtig:
Das Guillain-Barré-Syndrom ist nicht ansteckend. Man kann sich nicht bei einer betroffenen Person infizieren.
Symptome des Guillain-Barré-Syndroms
Die Symptome von GBS entwickeln sich meist rasch innerhalb von Tagen und beginnen häufig in den Beinen.
Typischerweise breiten sie sich von unten nach oben im Körper aus.
Frühe Symptome
Zu den ersten Anzeichen gehören häufig:
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Füßen oder Händen
- Muskelschwäche, besonders in den Beinen
- ungewöhnliche Müdigkeit oder Erschöpfung
Viele Betroffene berichten zunächst von einem Gefühl, als würden ihre Beine „schwer“ oder instabil werden.

Fortschreitende Symptome
Im weiteren Verlauf können auftreten:
- zunehmende Muskelschwäche oder Lähmungen
- Verlust von Reflexen
- Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen
- neuropathische Schmerzen, oft im Rücken oder in den Beinen
Die Intensität der Symptome kann stark variieren. Manche Menschen erleben nur milde Beschwerden, während andere vorübergehend stärker eingeschränkt sind.
Mögliche Komplikationen
In einigen Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, wodurch eine intensive medizinische Betreuung notwendig wird.
Weitere mögliche Komplikationen:
- Blutdruck- oder Herzrhythmusstörungen
- Probleme mit Blase oder Verdauung
- erhöhtes Risiko für Thrombosen durch eingeschränkte Bewegung
Eine frühzeitige medizinische Behandlung ist deshalb entscheidend.
Diagnose des Guillain-Barré-Syndroms
Die Diagnose von GBS erfolgt durch eine Kombination verschiedener Untersuchungen.
Dazu gehören:
Neurologische Untersuchung
- Überprüfung von Muskelkraft
- Reflexen
- Sensibilität und Koordination
Lumbalpunktion
Hierbei wird Nervenwasser (Liquor) untersucht. Ein typischer Befund ist eine erhöhte Eiweißkonzentration bei normaler Zellzahl.
Elektrophysiologische Untersuchungen
Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit können zeigen, ob die Signalübertragung der Nerven verlangsamt ist.
Bildgebung
MRT-Untersuchungen können helfen, andere neurologische Erkrankungen auszuschließen.
Eine frühe Diagnose ermöglicht eine schnellere Behandlung und verbessert die Prognose.
Behandlung des Guillain-Barré-Syndroms
Die Behandlung von GBS erfolgt in zwei Phasen:
- Akutbehandlung im Krankenhaus
- Rehabilitation und Physiotherapie
Akutbehandlung im Krankenhaus
In der frühen Phase erfolgt die Behandlung meist stationär, teilweise auf einer Intensivstation.
Wichtige Therapien sind:
Intravenöse Immunglobuline (IVIG)
Antikörper aus Spenderplasma können das Immunsystem regulieren und den Krankheitsverlauf verkürzen.
Plasmapherese
Hierbei werden schädliche Antikörper aus dem Blut entfernt.
Zusätzlich erfolgen unterstützende Maßnahmen wie:
- Atemunterstützung bei Bedarf
- Schmerztherapie
- Thromboseprophylaxe
- Kreislaufüberwachung
Rehabilitation und Physiotherapie nach Guillain-Barré
Nach der Akutphase beginnt die Rehabilitationsphase, in der Physiotherapie eine zentrale Rolle spielt.
Das Ziel ist es, verlorene Funktionen wieder aufzubauen und den Körper Schritt für Schritt wieder belastbar zu machen.
Bei KINEO Physiotherapie arbeiten wir evidenzbasiert und individuell angepasst.
Unsere Therapie kann beinhalten:
Bewegungstherapie und Muskeltraining
- sanfte Mobilisation in der frühen Phase
- progressive Kräftigung der Muskulatur
- funktionelles Training für Alltag und Bewegung
Gleichgewichts- und Koordinationstraining
Viele Betroffene haben nach GBS Schwierigkeiten mit:
- Stabilität
- Balance
- Gangkontrolle
Gezielte Übungen helfen, Sicherheit in Bewegung zurückzugewinnen.

Neuromobilisation
Sanfte Techniken können helfen, die Beweglichkeit der Nerven zu unterstützen und Beschwerden zu reduzieren.
Atemtherapie
Wenn die Atemmuskulatur betroffen war, können Übungen helfen:
- die Atemkapazität zu verbessern
- die Atemmuskulatur zu stärken
Schmerzmanagement
Chronische Schmerzen können nach GBS auftreten.
Therapieansätze können umfassen:
- Bewegungstherapie
- manuelle Techniken
- Entspannungsstrategien
- Aufklärung über Schmerzmechanismen

Physiotherapie bei Guillain-Barré in Zürich, Thalwil und Zollikon
Bei KINEO Physiotherapie begleiten wir Patient:innen nach neurologischen Erkrankungen wie dem Guillain-Barré-Syndrom.
Unser Fokus liegt auf:
- Wiederaufbau von Kraft und Funktion
- Verbesserung von Gleichgewicht und Gang
- Reduktion von Schmerzen und Fatigue
- Förderung von Selbstständigkeit im Alltag
Wir arbeiten strukturiert, evidenzbasiert und individuell angepasst – immer mit dem Ziel, dich Schritt für Schritt zurück in ein aktives Leben zu begleiten.
Leben nach dem Guillain-Barré-Syndrom
Der Genesungsverlauf nach GBS ist individuell sehr unterschiedlich.
Die gute Nachricht:
Etwa 80–90 % der Betroffenen erholen sich weitgehend oder vollständig.
Dennoch können einige langfristige Symptome bestehen bleiben, zum Beispiel:
- Fatigue (starke Erschöpfung)
- leichte Muskelschwäche
- Sensibilitätsstörungen
- neuropathische Schmerzen
Mit einer angepassten Rehabilitation, regelmäßiger Bewegung und therapeutischer Unterstützung können viele Menschen ihre Lebensqualität deutlich verbessern.
Unterstützung und langfristige Betreuung
Der Weg nach GBS kann Zeit brauchen.
Hilfreich können sein:
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- psychologische Unterstützung
- Austausch mit Selbsthilfegruppen
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Mit Geduld, Struktur und individueller Therapie lassen sich oft große Fortschritte erreichen. Buche jetzt noch deinen Termin!




