Multiple Sklerose (MS): Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerät
Was ist Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), also von Gehirn und Rückenmark.
Das Nervensystem funktioniert wie ein Kommunikationsnetzwerk: Signale werden über Nervenfasern vom Gehirn in den Körper weitergeleitet. Diese Nervenfasern sind von einer Schutzschicht umgeben – dem sogenannten Myelin.
Bei MS greift das eigene Immunsystem diese Schutzschicht an (Autoimmunreaktion). Dadurch entstehen Entzündungen und Schäden an den Nerven. Die Signalübertragung wird gestört – und genau das führt zu den vielfältigen Symptomen der Erkrankung.
Für viele Betroffene ist die Diagnose zunächst verunsichernd. Wichtig zu wissen: Du bist damit nicht allein – und es gibt viele Möglichkeiten, dich im Alltag zu unterstützen.
Symptome bei Multipler Sklerose
MS wird oft als „Krankheit mit vielen Gesichtern“ bezeichnet, da die Symptome sehr unterschiedlich sein können. Sie treten häufig schubförmig auf und verändern sich im Verlauf.
Erste Anzeichen
- Empfindungsstörungen (Kribbeln, Taubheit)
- Sehstörungen (z. B. verschwommenes Sehen, Doppelsehen)
- Vorübergehende Muskelschwäche oder Lähmungen
Diese Symptome können sich zunächst wieder zurückbilden – trotzdem ist eine frühzeitige Abklärung wichtig.
Häufige Symptome im Verlauf
- Sehstörungen (z. B. Probleme beim Lesen oder Farbsehen)
- Sensibilitätsstörungen in Armen und Beinen
- Muskelsteife (Spastik), Muskelschwäche
- Fatigue (starke, belastende Müdigkeit)
- Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
- Blasen- und Darmstörungen
- Kognitive Veränderungen, Stimmungsschwankungen
Viele Betroffene erleben, dass Symptome auch tagesformabhängig sind – das ist ganz typisch bei MS.
Diagnose von Multipler Sklerose
Eine einzelne Untersuchung reicht für die Diagnose nicht aus. Stattdessen werden verschiedene Bausteine kombiniert:
- Ausführliche Anamnese (Krankengeschichte)
- Neurologische Untersuchung (z. B. Sehvermögen, Kraft, Sensibilität)
- MRT (Magnetresonanztomographie) zur Darstellung von Entzündungsherden
- Lumbalpunktion zur Untersuchung des Nervenwassers
- Diagnose nach den McDonald-Kriterien (2017)
Eine frühe Diagnose ist entscheidend, um rechtzeitig mit der Behandlung zu beginnen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache von MS ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Bekannte Einflussfaktoren sind:
- Autoimmunreaktion (zentrale Rolle)
- Genetische Veranlagung
- Vitamin-D-Mangel
- Infektionen (z. B. Epstein-Barr-Virus)
- Rauchen und Übergewicht
MS entsteht meist durch ein Zusammenspiel dieser Faktoren.
Krankheitsverlauf bei MS
Der Verlauf ist individuell und schwer vorherzusagen. Es gibt verschiedene Formen:
- Schubförmig-remittierend: Symptome treten in Schüben auf und bilden sich teilweise zurück
- Sekundär progredient: Anfangs schubförmig, später zunehmend
- Primär progredient: Von Beginn an fortschreitend
Bei etwa 80 % der Betroffenen beginnt MS schubförmig. Mit einer frühzeitigen Therapie kann der Verlauf oft positiv beeinflusst werden.
Behandlung von Multipler Sklerose
Auch wenn MS derzeit nicht heilbar ist, gibt es viele Möglichkeiten, den Verlauf zu verlangsamen und Symptome zu lindern.
Medikamentöse Therapie
- Schubtherapie: z. B. Kortison zur Behandlung akuter Entzündungen
- Basistherapie: Medikamente zur Beeinflussung des Immunsystems
- Symptomatische Therapie: Behandlung einzelner Beschwerden
Physiotherapie und Rehabilitation
Bei KINEO setzen wir auf patientenorientierte, evidenzbasierte und individuell zugeschnittene Betreuung, um dich bestmöglich zu unterstützen – im Alltag und langfristig.
- Bewegungstherapie: Verbesserung von Kraft, Mobilität und Koordination
- Gleichgewichtstraining: Reduktion des Sturzrisikos
- Funktionelles Training: Förderung von Selbstständigkeit im Alltag
- Fatigue-Management: Strategien zur Energieeinteilung
- Individuelle Trainingsprogramme
Unser Ansatz:
Wir passen jede Therapie an deine aktuelle Situation an – denn MS ist individuell und deine Therapie sollte es auch sein.
Was kannst du selbst tun?
Bewegung und Training
Regelmäßige Bewegung ist einer der wichtigsten Bausteine:
- Sanftes Ausdauertraining (Spazieren, Radfahren, Schwimmen)
- Yoga, Pilates oder Mobilisation
- Individuell angepasstes Krafttraining
Wichtig: Trainiere angepasst an deine Tagesform und dein Energielevel.
Alltagstipps
- Plane regelmäßige Pausen
- Achte auf ausreichend Schlaf
- Reduziere Stress
- Informiere dein Umfeld über deine Situation
Ernährung
- Ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung
- Viel Gemüse und Obst
- Ausreichend Flüssigkeit (1.5–2 Liter täglich)
- Reduktion von stark verarbeiteten Lebensmitteln
Umgang mit Hitze (Uhthoff-Phänomen)
Viele Menschen mit MS bemerken, dass sich Symptome bei Hitze verschlechtern.
Das liegt am sogenannten Uhthoff-Phänomen.
Hilfreich ist:
- Kühlere Umgebung
- Ausreichend trinken
- Kühlende Kleidung oder Hilfsmittel
- Training in klimatisierten Räumen
Fazit
Multiple Sklerose ist eine komplexe Erkrankung, die dein Leben verändern kann – aber sie bedeutet nicht, dass du die Kontrolle verlierst.
Mit der richtigen Unterstützung, gezielter Therapie und einem bewussten Umgang mit deinem Körper kannst du aktiv Einfluss auf deinen Alltag und deine Lebensqualität nehmen.
Bei KINEO begleiten wir dich einfühlsam, individuell und evidenzbasiert. Gemeinsam entwickeln wir Strategien, die zu dir passen – damit du dich sicherer fühlst und deinen Alltag selbstbestimmt gestalten kannst.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
FAQ zu Multipler Sklerose
1. Ist Multiple Sklerose heilbar?
Nein, aktuell ist MS nicht heilbar. Therapien können jedoch den Verlauf verlangsamen und Symptome lindern.
2. Was ist ein MS-Schub?
Ein Schub ist das Auftreten neuer oder bekannter Symptome, die länger als 24 Stunden anhalten und mindestens 30 Tage Abstand zum letzten Ereignis haben.
3. Ist Sport bei MS erlaubt?
Ja, Bewegung ist sehr wichtig. Sie sollte individuell angepasst und nicht überfordernd sein.
4. Warum ist Physiotherapie bei MS sinnvoll?
Sie hilft, Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht zu erhalten und unterstützt dich im Alltag.
5. Kann ich den Verlauf selbst beeinflussen?
Du kannst Risikofaktoren reduzieren (z. B. Rauchen), aktiv bleiben und deinen Lebensstil positiv gestalten.
Allgemeine Informationen und Selbsthilfegruppen findest du auf der Homepage der schweizerischen MS-Gesellschaft.




